DAX-Ausblick: Zwischen geopolitischem Poker und nackten Zahlen
Wer gestern aufgepasst hat, konnte die Punktlandung miterleben: Erst das Minus von 0,6 %, dann der Turnaround auf +0,1 %. Genau das hatte ich auf dem Schirm. Aber heute zeigt der Markt sein hässliches Gesicht.
Gestern war wieder so ein typischer Tag für die Lehrbücher. Erst rutscht der DAX ins Minus, nur um sich dann punktgenau auf die von mir prognostizierte Marke von +0,1% zu retten. Das war kein Zufall, das war Marktpsychologie. Aber heute? Heute weht ein anderer Wind.
Die Trump-Variable: "I am the Dealmaker"
Dass die Friedensbemühungen im US-Iran-Konflikt ins Stocken geraten, überrascht mich kein bisschen. Wer ernsthaft geglaubt hat, Donald Trump würde einen Deal absegnen, der nicht seine persönliche Handschrift trägt, hat das Prinzip Trump nicht verstanden. Er lehnt Teherans Vorschläge als "dämlich" und "schwach" ab. Nicht unbedingt, weil sie es faktisch sein müssen, sondern weil er derjenige sein will, der die Bedingungen diktiert.
Das Ergebnis für uns Trader: Die Unsicherheit ist zurück. Wenn der DAX außerbörslich bereits -0,8% anzeigt, obwohl der Ölpreis stabil steht, dann ist das die pure Angst vor der Eskalation.

Was heute den Takt angibt
Wir schauen heute auf ein volatiles Trio, das uns den Tag verhageln oder retten kann:
- ZEW-Index (Vormittag): Ich erwarte hier einen Dämpfer. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen und der schwächelnden deutschen Konjunktur wird die Expertenmeinungen drücken. Pessimismus ist am Vormittag vorprogrammiert.
- US-Inflationsdaten (Nachmittag): Das ist das eigentliche Schwergewicht. Wenn die Teuerungsrate tatsächlich auf 3,7% steigt, wie von Reuters erwartet, wird die Hoffnung auf Zinssenkungen weiter begraben. Die KI-Euphorie der US-Börsen von gestern Abend könnte dann schneller verpuffen, als uns lieb ist.
- Einzelwerte (Bayer & Vodafone): Bayer muss liefern. Nach den ganzen Klagen und Umstrukturierungen schaut jeder auf die Q1-Zahlen. Bei Vodafone liegt der Fokus auf Deutschland – wenn es hier hakt, zieht das den Sektor mit runter.
Mein Fazit für den Handelstag
Der DAX wird heute kämpfen müssen. Die psychologische Unterstützung bröckelt durch die geopolitische Hängepartie.
Ich rechne mit einem nervösen Vormittag. Solange Trump den "Dealmaker" spielt und keine klare Entspannung signalisiert, bleiben die Bullen in Deckung. Erst die US-Verbraucherpreise am Nachmittag werden entscheiden, ob wir mit einem blauen Auge davonkommen oder ob der DAX die Verluste ausbaut.
Mein Rat: Bleibt vorsichtig mit Long-Positionen im frühen Handel. Die Volatilität ist aktuell ein gefährlicher Begleiter.