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# SpaceX Q2 2026: Ein Umsatzsprung, der nichts beweist - Lohnt sich der Einstieg?
- URL: https://www.kevinhelfenstein.de/spacex-q2-2026-ein-umsatzsprung-der-nichts-beweist-lohnt-sich-der-einstieg/
- Published: 2026-08-05T05:55:41.000Z
- Updated: 2026-08-05T10:21:53.000Z
- Description: 92 % Umsatzwachstum. 18,4 Milliarden Dollar Capex. Und ein Markt, der nachbörslich trotzdem 8 % abgibt. Kann sich die SpaceX Aktie jetzt endlich lohnen?
- Author: Kevin Helfenstein
- Tags: Einzelaktien

Ich habe hier zweimal geschrieben, dass ich SpaceX für überbewertet halte. Beide Male kam Gegenwind. Beide Male hieß es, ich würde die Vision nicht verstehen.  
Gestern kam der erste echte Zahlenkranz seit dem Börsengang. Und ich muss meine Meinung nicht ändern.

![](https://storage.ghost.io/c/6c/a9/6ca9ec1d-7477-4e06-8126-96cf32d3aab7/content/images/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-07.46.08.png)

Vorweg fair: Der Umsatz hat die Erwartungen deutlich geschlagen. Analysten hatten mit rund **6,9 Milliarden Dollar** gerechnet, geliefert wurden **7,81 Milliarden**. Das ist kein knapper Beat, das ist eine Ohrfeige für die Schätzmodelle. Der Kurs stieg gestern im regulären Handel über **9 %**.

Dann kam der Bericht. Und die Aktie gab nachbörslich fast **8 %** wieder ab, zurück auf rund **116 Dollar**.

Der Markt hat also die Überschrift gefeiert und danach das Kleingedruckte gelesen. Genau da fängt es an, interessant zu werden.

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## Die Schlagzeile

- Umsatz: **7,81 Mrd. $** (+92 % zum Vorjahr)
- Operatives Ergebnis: **–143 Mio. $**
- Nettoverlust: **541 Mio. $** (Vorjahr: 1,01 Mrd. $)
- Adjusted EBITDA: **3,54 Mrd. $** (+191 %)
- Investitionen (Capex): **18,37 Mrd. $**

Lies die letzten beiden Zeilen noch einmal.

Das Unternehmen macht in einem Quartal **7,8 Milliarden Umsatz** und investiert im selben Quartal **18,4 Milliarden**. Für jeden eingenommenen Dollar gehen zweieinhalb Dollar raus. Im ersten Halbjahr: **28,5 Milliarden Capex** gegen **3,5 Milliarden** operativen Cashflow.

Das ist ein Free Cashflow von grob **minus 25 Milliarden Dollar** in sechs Monaten.

Man kann das „Investitionsphase" nennen. Man kann es auch beim Namen nennen: Dieses Unternehmen verbrennt Geld in einer Größenordnung, die es sich nur leisten kann, weil es gerade **85,7 Milliarden** beim IPO und **25 Milliarden** am Anleihemarkt eingesammelt hat.

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## Segment 1: Die Raketenfirma wächst nicht

Das ist der Punkt, über den kaum jemand redet.

SpaceX ist für die meisten Anleger eine Raumfahrtfirma. Schauen wir uns die Raumfahrt an:

| Space-Segment      | H1 2026     | H1 2025     |
| ------------------ | ----------- | ----------- |
| Umsatz             | 1,58 Mrd. $ | 1,61 Mrd. $ |
| Starts             | 78          | 84          |
| Masse in den Orbit | 1.041 t     | 1.102 t     |

Der Umsatz im Halbjahr ist **gesunken**. Die Zahl der Starts ist gesunken. Die transportierte Masse ist gesunken.

Ja, das zweite Quartal isoliert sah besser aus: 962 Millionen, plus 29 % zum Vorjahr. Aber nur, weil ein paar große Kundenstarts in dieses Quartal gerutscht sind. Das ist Timing, kein Trend.

Gleichzeitig ist der operative Verlust im Space-Segment auf **542 Millionen** im Quartal gestiegen. Die Forschungsausgaben allein liegen bei **1,08 Milliarden** — das ist mehr als der gesamte Segmentumsatz.

Das Unternehmen sagt dazu, Starship werde die Kosten pro Kilogramm in den Orbit um **99 %** senken. Das mag stimmen. Es ist nur eben eine Behauptung über die Zukunft, keine Zahl aus der Bilanz. In der Bilanz steht: Die Raketensparte schrumpft im Volumen und wird teurer.

Wer SpaceX kauft, kauft nicht die Raketen. Das sollte man ehrlich zu sich selbst sagen.

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## Segment 2: Starlink ist das Geschäft

Hier steckt die eigentliche Substanz.

Connectivity macht **4,29 Milliarden** Umsatz (+66 %) und verdient operativ **1,66 Milliarden** (+79 %). Die Kundenzahl hat sich auf **12 Millionen** verdoppelt. Das ist ein echtes, funktionierendes, profitables Geschäft. 

Aber auch hier gibt es eine Zeile, die man nicht überlesen sollte.

Der Umsatz pro Kunde ist von **85 auf 66 Dollar** gefallen. Minus 22 % in einem Jahr.

Die Abos verdoppeln sich, der Preis pro Abo bricht ein. Das ist kein Skandal — Starlink wächst in Märkte mit geringerer Kaufkraft und verkauft günstigere Tarife. Aber es heißt: Das Wachstum kommt aus der Menge, nicht aus der Marge. Und Mengenwachstum hat irgendwann eine Grenze, während der Preisverfall keine hat.

Wenn du nur eine Kennzahl von Starlink verfolgen willst: Nimm den ARPU. Nicht die Abozahl.

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## Segment 3: Der Geldofen

Und jetzt zum Teil, der die Bewertung trägt.

Die KI-Sparte hat den Umsatz auf **2,56 Milliarden** mehr als verdreifacht. Klingt spektakulär. Der Treiber sind die neuen Cloud-Verträge über **14,1 Milliarden** Auftragsvolumen, von denen im Quartal **1,6 Milliarden** verbucht wurden.

Drei Dinge dazu.

**Erstens:** Das Werbegeschäft schrumpft. **367 Millionen** gegen 426 Millionen im Vorjahr. Im Halbjahr 710 gegen 870 Millionen. X verliert weiter Werbeumsatz. Das Wachstum kommt ausschließlich aus dem Verkauf von Rechenleistung.

**^Zweitens:** Diese Rechenleistung kostet. Der Capex der KI-Sparte lag im Quartal bei **15,83 Milliarden Dollar** — bei einem Segmentumsatz von 2,56 Milliarden. Man investiert also das Sechsfache dessen, was man einnimmt. Vor einem Jahr waren es 749 Millionen. Das ist eine Verzwanzigfachung.

**Drittens** — und das ist der Punkt, an dem ich hängen geblieben bin:

SpaceX feiert im Bericht ein „positives KI-Adjusted-EBITDA von 1,1 Milliarden Dollar".

Operativ hat dieses Segment **1,26 Milliarden Verlust** gemacht.

Der Unterschied entsteht praktisch vollständig durch das Herausrechnen von **1,89 Milliarden Abschreibungen**. Man rechnet also bei einem Geschäft, dessen einziger nennenswerter Kostenblock der Verschleiß von Chips und Rechenzentren ist, genau diesen Verschleiß heraus — und nennt das Ergebnis dann profitabel.

GPUs sind keine Immobilien. Sie sind nach drei bis fünf Jahren wirtschaftlich alt. Die Abschreibung ist hier keine Buchhaltungsfiktion, sondern die realste Kostenposition im ganzen Segment.

Adjusted EBITDA ist bei einem Unternehmen mit 28 Milliarden Halbjahres-Capex keine Ergebniskennzahl. Es ist eine Erzählung.

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## Was mir sonst noch aufgefallen ist

**Die 60 Milliarden für Cursor.** SpaceX kauft ein Coding-Tool für **60 Milliarden Dollar**. Zum Vergleich: Die gesamte KI-Sparte hat im Quartal 2,56 Milliarden umgesetzt. Das ist ein Preis, der sich nur rechtfertigen lässt, wenn man an eine sehr spezifische Zukunft glaubt.

**Die Kredite von nahestehenden Personen.** In den Schulden von **39,4 Milliarden** stecken **13,3 Milliarden** von „related parties". Der Zinsaufwand im Quartal betrug 629 Millionen — davon gingen **327 Millionen an nahestehende Personen**. Über die Hälfte. Das ist legal, das ist offengelegt, und trotzdem ist es eine Konstruktion, bei der ich als Aktionär genau hinschauen würde.

**Die Zeile unter dem Nettoverlust.** Im Halbjahr steht ein Nettoverlust von 4,82 Milliarden. Den Aktionären zurechenbar sind aber **5,49 Milliarden**. Die Differenz von 670 Millionen ist bei den Altaktionären gelandet, nicht bei dir.

**Die Kriegskasse.** Rund **100 Milliarden Dollar** an Cash und Wertpapieren. Das ist das stärkste Argument der Bullen, und es ist ein gutes. Aber bei einem Capex-Lauf von 18 Milliarden pro Quartal — mit steigender Tendenz — reicht dieses Polster für ungefähr fünf Quartale, wenn sonst nichts passiert.

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## Die Bewertung

Bei rund 116 Dollar und etwa 13,2 Milliarden Aktien liegt der Börsenwert bei ungefähr **1,5 Billionen Dollar**.

Rechnest du das Q2 aufs Jahr hoch, sind das rund 31 Milliarden Umsatz. Also etwa das **49-Fache des Umsatzes**. Bei einem operativ defizitären Unternehmen.

Damit das aufgeht, muss der Konsens stimmen, der bis 2028 rund 142 Milliarden Umsatz erwartet. Das ist eine Vervierfachung in zwei Jahren. Möglich? Ja. Eingepreist? Vollständig.

Ich bezahle nicht heute den Preis für ein Ergebnis, das 2028 eintreten *könnte*.

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## Und jetzt der Termin, der wirklich zählt

Am **6\. August** läuft die erste Haltefrist aus.

Dann werden rund **911 Millionen Aktien** handelbar — Anteile von Mitarbeitern und frühen Investoren, die seit dem Börsengang gesperrt waren. Zum aktuellen Kurs sind das grob **106 Milliarden Dollar** an potenziellem Angebot.

Der freie Streubesitz beträgt derzeit nur etwa 4 bis 5 % aller Aktien. Die Menge, die jetzt freigegeben wird, ist also **größer als der gesamte bisher handelbare Bestand**.

Und — das ist der Teil, den viele übersehen — das ist nur die **erste Tranche**. Die Sperrfrist läuft nicht in einem Rutsch aus, sondern gestaffelt: weitere Portionen bis Oktober, ein zweiter großer Block nach den Q3-Zahlen, der Rest am 8\. Dezember. Die Anteile von Elon Musk selbst, rund 6,4 Milliarden Stück, bleiben bis Juni 2027 gesperrt.

Das heißt im Klartext: Der Angebotsdruck ist kein Ereignis, das man am Freitag hinter sich hat. Er ist ein Zustand, der die Aktie bis weit ins nächste Jahr begleitet.

Ehrlichkeitshalber die Gegenseite: Rund **34 % des Streubesitzes sind leerverkauft**. Wenn die Insider am Freitag nicht so aggressiv verkaufen wie erwartet, kann das genauso gut nach oben laufen, weil Shorts eindecken müssen. Solche Termine sind selten Einbahnstraßen, und der Markt hat den Termin seit Wochen im Kalender.

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## Mein Fazit

Die Zahlen waren besser als erwartet. Die Geschichte dahinter ist unverändert:

Ein profitables Satellitengeschäft finanziert eine schrumpfende Raketensparte und einen KI-Bereich, der pro Quartal 16 Milliarden verschlingt. Bewertet wird das Ganze mit 1,5 Billionen Dollar.

Ich bleibe dabei: überbewertet.

Wer trotzdem einsteigen will, sollte zumindest nicht in den Termin hineinkaufen. Ich würde den 6\. August abwarten, sehen, was tatsächlich an Papier auf den Markt kommt, und frühestens am Freitag entscheiden. Nicht weil der Freitag ein magischer Boden ist — sondern weil man vorher schlicht nicht weiß, wie groß das Angebot wirklich ausfällt.

Und wenn du dann kaufst: mit dem Wissen, dass im Oktober und im Dezember die nächsten Tranchen kommen.