Warum der Iran die Straße von Hormus öffnen MUSS: Die Logik der leeren Tanks

Alle starren auf die Politik im Iran, ich starre auf die Öltanks. Warum der Iran Ende Mai die Straße von Hormus öffnen MUSS – ob er will oder nicht.

Warum der Iran die Straße von Hormus öffnen MUSS: Die Logik der leeren Tanks
Öltanker in der Straße von Hormus

Seit dem Ausbruch des Konflikts am 28. Februar ist die Straße von Hormus faktisch dicht. Die Folge? Ein Ölpreis, der sich stabil über der Marke von 100 € pro Barrel festgebissen hat. Doch wer glaubt, dass der Iran diese Blockade ewig durchhalten kann, übersieht ein entscheidendes logistisches Problem.

Der 24-Stunden-Blitz: Ein Blick in die Karten

Erinnern wir uns an den 17. April. Für exakt 24 Stunden öffnete der Iran die Durchfahrt, nur um sie am 18. April sofort wieder zu schließen. Viele hielten das für ein politisches Signal oder eine Finte. Die Wahrheit ist profaner: Der Iran hatte keinen Platz mehr.

Am 17. April waren die iranischen Ölbestände am Limit. Die stationären Tanks waren randvoll, die Tanker im Hafen bis an die Wasserlinie beladen. In dieser Situation hat ein Produzent nur zwei Optionen:

  1. Die Produktion drosseln oder stoppen: Ein technischer und finanzieller Albtraum. Ölfelder lassen sich nicht wie ein Wasserhahn einfach zudrehen, ohne langfristige Schäden an den Lagerstätten und enorme Wiederanlaufkosten zu riskieren.
  2. Druck ablassen: Die Straße kurzzeitig öffnen, um die Lager zu leeren und Cashflow zu generieren.

Genau das ist passiert. Nachdem die Schiffe raus waren und die Tanks wieder Kapazität hatten, klappte das Visier wieder zu.

Die Rechnung für den Frühsommer

Wir bewegen uns nun stramm auf Mitte Mai zu. Wenn wir die Förderraten des Irans gegen die damalige Entlastung vom 17. April rechnen, wird klar: Die Zeit läuft gegen die Blockade. Das Öl reichert sich im Land brutal an.

Meine Prognose: Zwischen Ende Mai und Mitte Juni wird der Iran die Straße von Hormus erneut öffnen müssen. Nicht aus gutem Willen, sondern weil das System vor dem Kollaps steht. Das Öl muss weg.

Was bedeutet das für den DAX und die Märkte?

Interessant ist die Resilienz unserer Märkte. Wir sehen aktuell einen DAX bei stabilen 24.600 Punkten – und das trotz der Energiekosten.

  • Gewöhnungseffekt: Der Markt hat den Ölpreis von >100 € eingepreist. Die Volatilität nimmt ab, die Unternehmen haben gelernt, mit diesen Inputkosten zu kalkulieren.
  • Wachstum trotz Krise: Die Tech-Zahlen aus den USA und die deutschen Quartalsberichte zeigen, dass Wachstum auch unter widrigen geopolitischen Bedingungen möglich ist.
  • Fundamentaler Trend: Selbst wenn die Blockade bestehen bleibt, zeigt die Börse ihre langfristige Stärke.

Fazit für Trader

Die Strategie des Irans ist ein Spiel auf Zeit, das physikalisch begrenzt ist. Wer als Trader nur auf die Nachrichten achtet, verliert. Wer auf die Lagerbestände schaut, erkennt das Muster. Ich bleibe dabei: Die Märkte sind robuster, als viele "Crash-Propheten" es gerne hätten. Die nächste (kurzzeitige) Öffnung wird kommen – und mit ihr die nächste Entlastungswelle an den Märkten.