21.05.2026 DAX Analyse - was kommt heute?
Erst dümpelte der DAX im Minus herum, konnte sich aber oben raus gut retten und schloß mit über 24.737 Punkten. Wie geht es heute weiter?
Was für ein wilder Ritt gestern! Wer am Vormittag gegen 10:00 Uhr beim DAX-Rutsch unter die Marke von 24.300 Punkten die Nerven verloren und seine Positionen glattgestellt hat, wird sich abends beim Blick auf den Xetra-Schlussstand von 24.737 Punkten grün und blau geärgert haben. Ein sattes Plus von 1,38 % stand am Ende zu Buche. Primär getrieben von der US-Eröffnung und massiven Vorschusslorbeeren für das Tech-Event des Quartals.
Nach der dreitägigen Erholung dürfte am heutigen Donnerstag im DAX aber erst einmal Schmalhans Küchenmeister sein. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zweieinhalb Stunden vor dem Xetra-Start minimal tiefer bei 24.730 Punkten. Gestern sind wir im Hoch bis auf 24.885 Punkte vorangestoßen, kamen aber nicht ganz an das psychologisch wichtige Monatshoch bei 25.152 Punkten heran.

Nvidia liefert ab – und die „Buy-Side“ zuckt die Achseln
Der am späten Mittwochabend veröffentlichte Quartalsbericht des KI-Giganten Nvidia wurde vom Markt mit fast schon absurder Spannung erwartet. Vor Bekanntgabe der Zahlen hatten sich der S&P 500 und der Nasdaq 100 im regulären US-Handel bereits wieder an ihre jüngsten Rekorde herangerückt.
Um es kurz zu machen: Nvidia hat geliefert. Der Jefferies-Analyst Blayne Curtis traf es auf den Punkt. Der Konzern hat in jeglicher Hinsicht abgeliefert, und die ersten Analysten heben bereits wieder im Akkord ihre Kursziele an. Warum gaben die Aktien nachbörslich trotzdem leicht nach, nachdem sie seit Ende März um gut ein Drittel gestiegen waren?
Hier kommt die sogenannte „Buy-Side“ ins Spiel. Damit meinen wir uns und vor allem die großen Jungs: Asset-Manager, Pensionskassen, Hedgefonds und Vermögensverwalter. Deren Erwartungen waren nicht nur extrem hoch, sie waren stratosphärisch. Wenn ein Wert derart heißgelaufen ist, reicht ein fehlerfreies Quartal oft nicht mehr für direkte Anschlusskäufe. Zudem schwelen unter den Akteuren gewisse Bedenken weiter. Beispielsweise hinsichtlich des Geschäfts mit modularen Rechenzentrumsarchitekturen (XPU).
Meine ehrliche Meinung als Privattrader dazu: Ehrlich gesagt? Dieses klassische „Sell on Good News“ bei Nvidia nachbörslich ist das Gesündeste, was dem Gesamtmarkt passieren konnte. Wenn eine Aktie nach solchen Traumzahlen nochmals 10 % hochschießt, befinden wir uns in einer ungesunden Endphase einer Blase. Dass der Markt die Gewinne kurz verdaut, nimmt etwas Druck vom Kessel. Für unseren DAX bedeutet das aber im Umkehrschluss: Der erhoffte Raketenantrieb für den heutigen Donnerstag fällt flach.
Rückenwind aus den USA und ein Asien-Feuerwerk
Schauen wir uns die weltweiten Vorgaben an, sehen wir ein überwiegend bullisches Bild. An der Wall Street verabschiedete sich der technologielastige Nasdaq 100 gestern mit einem Plus von 1,66 % bei 29.297,70 Punkten. Hier halfen neue Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs, was auch die Ölpreise spürbar entlastete. Der S&P 500 legte um 1,08 % auf 7.432,97 Punkte zu, und der Dow Jones Industrial knackte im Windschatten die historische Marke von 50.000 Punkten (Schlusskurs: 50.009,35). Das fed-Protokoll zwischendurch war übrigens eine klassische Nullnummer ohne Impulse.
In Asien erlebten wir heute Morgen ein regelrechtes Kursfeuerwerk. Der japanische Leitindex Nikkei 225 sprang um 3,6 % nach oben und kletterte wieder über die Marke von 60.000 Punkten. Noch extremer lief es in Südkorea, wo der Kospi im späten Handel um mehr als 8 % explodierte! Dort trieben die Chip-Giganten Samsung und SK Hynix den Index nach oben. China lief mit einem halben Prozent Plus im CSI-300 moderat mit, während Hongkong leicht im Minus notierte.
Trading-Setup für heute (21.05.2026)
Europa hinkt diesem extremen Tech-Hype aus Asien und den USA erfahrungsgemäß etwas hinterher, da uns schlicht die KI-Schwergewichte im Index fehlen. Der DAX ist eher ein klassischer Handwerker. Aber auch das ist das neue Gold.
Für den heutigen Handelstag erwarte ich nach der starken dreitägigen Aufwärtsbewegung zunächst eine Phase der Konsolidierung und Lethargie auf hohem Niveau. Das dicke Brett liegt unverändert beim Monatshoch von 25.152 Punkten. Solange wir da nicht nachhaltig drübergehen, bleibt der DAX in einer übergeordneten Seitwärtsrange gefangen.
Ich halte zur Xetra-Eröffnung um 09:00 Uhr die Füße still. Ein blinder Einstieg drängt sich nach der verhaltenen nachbörslichen Reaktion von Nvidia nicht auf. Sollte der DAX im Tagesverlauf nochmals in Richtung der gestrigen Ausbruchszone bei 24.500 bis 24.550 Punkten korrigieren und dort charttechnische Unterstützung finden, werde ich nach Long-Einstiegen mit engem Stop-Loss Ausschau halten. Ein direkter, dynamischer Ausbruch über die 25.000er-Marke ist ohne frische Impulse am heutigen Donnerstag eher unwahrscheinlich.