DAX unter Druck: Rot auf allen Fronten
Der DAX startet schwach in die neue Woche: Nach einem Minus von zwei Prozent am Freitag droht zum Wochenauftakt ein weiterer Rückgang – ausgelöst durch einen Ölpreisanstieg von knapp zwei Prozent infolge neuer Eskalation im Iran-Konflikt. Die 200-Tage-Linie steht auf dem Spiel.
Freitag minus zwei Prozent, Montag droht mehr vom Gleichen. Der DAX kämpft um seine 200-Tage-Linie und ich bleibe short.

Der Wochenstart sieht nicht besser aus als das Ende der letzten Woche. Nach einem Minus von zwei Prozent am Freitag taxiert Broker IG den DAX vorbörslich nochmals 0,8 Prozent tiefer auf rund 23.758 Punkte – in der Nacht fiel er zeitweise sogar unter die Marke von 23.700. Damit steht ein Rutsch unter die exponentielle 200-Tage-Linie im Raum, die seit Wochen seitwärts tendiert und damit die Orientierungslosigkeit des deutschen Leitindex widerspiegelt.
Der Auslöser für die neue Schwäche ist schnell gefunden: Der Ölpreis ist um knapp zwei Prozent gestiegen, und das aus einem bekannten Grund.
US-Präsident Trump hat im festgefahrenen Iran-Konflikt erneut verbal eskaliert – auf Truth Social schrieb er sinngemäß, die Uhr für den Iran ticke laut, und falls keine Bewegung komme, werde von dem Land nichts mehr übrig bleiben. Solche Botschaften belasten die Energiemärkte direkt und dämpfen die Risikobereitschaft der Investoren weltweit.
„Für den Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben." – Donald Trump via Truth Social
In den USA hatte die jüngste KI-Rally am Freitag bereits eine Auszeit genommen. S&P 500 und Nasdaq 100 kamen von ihren Rekordständen zurück – der Ölpreisanstieg und das historisch hohe Niveau der Anleiherenditen bremsten die Kauflaune. Diese Stimmung überträgt sich nun auf Asien und Europa.
Dabei zeigt sich eine zunehmende Spaltung der globalen Märkte. Während die US-Börsen von ihrer starken Technologiebasis profitieren – Nvidia veröffentlicht am Mittwochabend nach US-Börsenschluss seinen Quartalsbericht, die Erwartungen sind hoch – fehlt dem DAX dieses Fundament.
Tech-Schwergewichte wie Nvidia, Alphabet oder Microsoft haben im europäischen Leitindex kein Äquivalent. Marktanalyst Timo Emden diagnostiziert treffend eine „zunehmende Katerstimmung": Die Euphorie rund um ein mögliches Trump-Xi-Gipfeltreffen ist verflogen, konkrete Fortschritte blieben aus.
Auf der Unternehmensseite ist die Woche überschaubar: Ryanair berichtet am Montag, Euronext und Hornbach am Dienstag, Generali und Easyjet am Donnerstag. Den Abschluss macht Südzucker mit seinem vollständigen Jahresbericht.
Das Makrokalender-Highlight der Woche sind die Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag und das Ifo-Geschäftsklima am Freitag.
Beide dürften nach Einschätzung der Privatbank Merck Finck weiter nachgeben, solange die Straße von Hormus nicht stabil befahrbar ist.
Kurz gesagt: Die Rahmenbedingungen für den DAX bleiben schwierig. Geopolitik, Ölpreis, Anleiherenditen und das Fehlen eines KI-Boosts – das ist kein Umfeld für mutige Käufe.
Meine Einschätzung für die Woche:
Ich bleibe bedeckt und short im Markt.
Zu viele Risikofaktoren, zu wenig Aufwärtskatalysatoren. Wer derzeit long geht, braucht starke Nerven. Ich halte meine Short-Position und beobachte die 200-Tage-Linie genau.