Der Dax will wieder nach oben
Erst gestern verlor der Dax 1,6% Punkte und heute will er vermutlich schon wieder um 1% nach oben klettern. Es ist ein hin und her und man merkt, wie unsicher der Markt ist.
Was für ein Ritt gestern! Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich meine Short-Positionen in den letzten Tagen ziemlich aggressiv hochgefahren habe. Und was soll ich sagen? Der DAX hat geliefert, oder besser gesagt: Er ist abgeschmiert.
Mit einem Minus von -1,6 % am Dienstag hat es ordentlich im Karton gescheppert. Für mein Depot war das natürlich ein absolutes Fest, ein echtes „Mega-Szenario“. Aber man muss auch ehrlich bleiben: Die Gründe dahinter sind alles andere als schön. Der Konflikt im Iran schwelt weiter, eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht, und das belastet die Märkte massiv. Wenn die Geopolitik zuschlägt, hilft oft auch die beste Charttechnik nur bedingt.

Die nackten Zahlen und der US-Faktor
Zusätzlich gab es gestern den Dämpfer aus den USA. Die Inflationsdaten haben Schwarz auf Weiß bestätigt, was wir alle im Geldbeutel spüren: Den Leuten geht es nicht gut, die Preise steigen unaufhörlich. Das nimmt der Kaufkraft die Luft zum Atmen und setzt die Notenbanken unter Druck.
Interessant war dabei der Blick über den Großen Teich: Während der tech-lastige Nasdaq 100 um 0,87 % einknickte – Tech-Werte reagieren ja extrem sensibel auf Konjunktursorgen –, hielt sich der Dow Jones mit einem Plus von 0,11 % erstaunlich wacker. Diese Divergenz zeigt uns ganz klar: Das Geld flüchtet aus dem Risiko in die vermeintliche Sicherheit der „Old Economy“.
Heute: Die Gegenbewegung über der 24.000er Marke?
Kommen wir zum heutigen Mittwoch. Der DAX zeigt sich vorbörslich bereits wieder kämpferisch. Aktuell notieren wir auf den Plattformen rund +0,8 % im Plus. Es sieht also ganz danach aus, als würden wir die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Zählern, unter die wir gestern gerutscht sind, direkt wieder zurückerobern.
Aber Vorsicht: Das ist in meinen Augen erst einmal nur eine technische Gegenreaktion auf den gestrigen Ausverkauf. Ob das nachhaltig ist? Da habe ich noch meine Zweifel.

Das Big Picture: Trump in Peking
Das Ereignis, auf das heute alle starren, ist der Besuch von US-Präsident Donald Trump in China. Jochen Stanzl von der Consorsbank hat es treffend als das „meistbeachtete Ereignis des heutigen Tages“ bezeichnet. Trump ist nicht allein dort; er hat das „Who’s Who“ der US-Wirtschaft im Schlepptau.
Eigentlich geht es um Handel, um Boeing-Deals und Agrarprodukte. Sogar die US-Zollpolitik und Seltene Erden stehen auf dem Plan von Finanzminister Scott Bessent, der bereits in Südkorea die Vorarbeit leistet. Aber machen wir uns nichts vor: Der Iran-Krieg überschattet alles.
Trump steht innenpolitisch massiv unter Druck. Die hohe Inflation nagt an seiner Beliebtheit, und das Volk will ein Ende der Kriegstreiberei. Ob er ausgerechnet in Peking den Schlüssel zum Frieden findet, wage ich zu bezweifeln. China wird sich diesen Hebel teuer bezahlen lassen.
Die Berichtssaison rollt über uns hinweg
Als wäre die Weltpolitik nicht schon genug, müssen wir heute auch noch eine wahre Flut an Quartalszahlen verdauen. Das wird die Volatilität heute hochhalten. Werft unbedingt ein Auge auf diese Schwergewichte:
- Siemens & Deutsche Telekom (Immer gut für ordentlich Volumen)
- E.ON & RWE (Energie ist im aktuellen Umfeld ein heißes Eisen)
- Allianz & Merck (hier bin ich relativ optimistisch, gute Titel)
Dazu kommen noch die BIP-Daten aus der Eurozone und die Industrieproduktion. Es wird also definitiv kein ruhiger Handelstag.
Mein Fazit für heute
Asien hat uns eine freundliche Vorlage geliefert (Nikkei +0,8 %), und der DAX versucht sich an der Erholung. Ich bleibe aber wachsam. Die 24.000er Marke muss auf Schlusskursbasis halten, damit wir nicht direkt wieder in den Keller rauschen.
Ich tendiere dazu, dass der DAX heute vermutlich bei 24.400 Punkte schließen wird...
Meine Shorts habe ich teilweise glattgestellt, um Gewinne zu sichern – man soll den Bogen ja nicht überspannen. Dennoch: Solange die Iran-Thematik nicht vom Tisch ist, bleibt der Markt ein Minenfeld.
Wie seid ihr heute positioniert? Geht ihr die Erholung mit oder wartet ihr auf den nächsten Absacker?