DAX-Wochenrückblick KW 28/2026: Iran-Schock beendet die Rekordjagd – 25.000er-Marke hält (vorerst)

Vom Allzeithoch bei 25.900 zum Wochentief bei 24.830 Punkten: Warum der Iran-Konflikt den DAX in KW 28 einbrechen ließ, was Bundesanleihen verraten.

DAX-Wochenrückblick KW 28/2026: Iran-Schock beendet die Rekordjagd – 25.000er-Marke hält (vorerst)

Was für eine Woche, liebe Leser. Am Montag feierte der DAX noch ein frisches Allzeithoch knapp über 25.900 Punkten – am Mittwoch stand er über 1.000 Punkte tiefer. Der Auslöser: die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Am Ende rettet sich unser Leitindex mit 25.067,09 Punkten gerade so über die psychologisch wichtige 25.000er-Marke ins Wochenende. Das Wochenminus: satte 2,76 Prozent. Nach dem Kursfeuerwerk der Vorwoche (+4,49 Prozent dank Reformpaket der Bundesregierung) ist das ein herber, aber vielleicht auch heilsamer Dämpfer. Schauen wir uns an, was genau passiert ist – und was das für die kommende Woche bedeutet.

Die Woche im Überblick: Tag für Tag

Montag, 06.07.: Der DAX startet dort, wo er am Freitag aufgehört hat – im Rekordmodus. Erstmals in seiner Geschichte überspringt der Index die Marke von 25.900 Punkten und markiert bei 25.900,10 Zählern ein neues Allzeithoch. Danach setzen Gewinnmitnahmen ein, zum Xetra-Schluss bleibt mit 25.817,89 Punkten (+0,15 Prozent) aber immerhin ein neuer Rekord auf Schlusskursbasis. Gefragt sind vor allem Rüstungswerte: Rheinmetall legt rund drei Prozent zu, TKMS springt nach dem milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Kanada zweistellig an.

Dienstag, 07.07.: Der erste Riss im Bild. Über Nacht bricht in Asien die KI-Euphorie ein: Der südkoreanische Kospi sackt zeitweise um acht Prozent ab, Samsung verliert rund zehn Prozent – und das trotz eines Rekordgewinns im zweiten Quartal. Die Botschaft der Börse: Es ist schlicht alles Positive eingepreist. Die Schwäche schwappt nach Frankfurt über, Infineon und Siemens Energy geraten massiv unter Druck. Der DAX schließt 1,37 Prozent tiefer bei 25.465,25 Punkten. Parallel meldet der Iran erste Angriffe auf Handelsschiffe – noch nimmt der Markt das Thema nicht richtig ernst.

Mittwoch, 08.07.: Der Schock-Tag der Woche. US-Präsident Trump erklärt die Waffenruhe mit dem Iran für faktisch beendet, nachdem es zu gegenseitigen Angriffen gekommen war: Die USA attackieren rund 80 militärische Ziele im Iran, Teheran antwortet mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Zusätzlich setzen die USA Sanktionen gegen iranische Ölverkäufe wieder in Kraft, Trump droht sogar mit einer Seeblockade. Der DAX eröffnet mit einer großen Abwärtskurslücke bei rund 25.274 Punkten, rutscht im Tief bis auf 24.830 Zähler ab und schließt 2,2 Prozent schwächer bei 24.897,45 Punkten – klar unter der 25.000er-Marke. Der Ölpreis der Sorte Brent springt zeitweise auf knapp 80 US-Dollar.

Donnerstag, 09.07.: Durchatmen. Die Ölpreise kommen wieder zurück, und aus den USA gibt es beruhigende Töne: Fed-Notenbanker Williams signalisiert, dass eine Zinserhöhung im Juli praktisch vom Tisch ist und keine nachhaltige Energiekrise droht. Die Wall Street erholt sich, allen voran die Halbleiterwerte. Der DAX gewinnt 0,89 Prozent auf 25.118 Punkte und erobert die 25.000er-Marke zurück.

Freitag, 10.07.: Zum Wochenschluss fehlt die klare Richtung. Der DAX klettert am Nachmittag bis auf 25.196 Punkte, rutscht in den letzten Handelsstunden kurz unter 25.000 und rettet sich mit 25.067,09 Punkten (−0,20 Prozent) ins Wochenende. Für Gesprächsstoff sorgt das Nasdaq-Debüt des Speicherchip-Riesen SK Hynix, das die KI-Fantasie zumindest teilweise am Leben hält. Positiv am Rande: Destatis bestätigt den Rückgang der deutschen Inflation auf 2,4 Prozent im Juni.

Das Hoch der Woche: 25.900 Punkte am Montag

Das Wochenhoch – und gleichzeitig neues Allzeithoch – markierte der DAX am Montagvormittag bei 25.900,10 Punkten. Getragen wurde der Rekord noch von der Euphorie der Vorwoche: Das Reformpaket der Bundesregierung, robuste Industrieaufträge und die anhaltende Rotation in Old-Economy- und Rüstungswerte gaben dem Markt Rückenwind. Rückblickend war das Hoch aber bereits auf wackligem Fundament gebaut: Charttechniker hatten schon am Wochenende vor einem überkauften Markt gewarnt, und die Dynamik ließ intraday sichtbar nach.

Das Tief der Woche: 24.830 Punkte am Mittwoch

Das Wochentief bei 24.830 Punkten erreichte der DAX am Mittwoch auf dem Höhepunkt des Iran-Schocks. Vom Montagshoch bis zu diesem Tief verlor der Index rund 1.070 Punkte oder gut vier Prozent – innerhalb von nicht einmal drei Handelstagen. Wichtig für die Einordnung: Genau dort, im Bereich der 21-Tage-Linie, fing sich der Markt wieder. Die Käufer sind also nicht verschwunden, sie sind nur vorsichtiger geworden.

Diese Themen haben die Woche bestimmt

1. Der Iran-Konflikt als Taktgeber. Der Mechanismus ist ein alter Bekannter: Eskalation im Nahen Osten → steigende Ölpreise → neue Inflationssorgen → weniger Spielraum für die Notenbanken → Druck auf Aktien. Genau diese Kette hat der Markt am Mittwoch im Schnelldurchlauf abgespult. Dass sich der DAX ab Donnerstag stabilisieren konnte, lag vor allem daran, dass Trump die Tür für Gespräche offen ließ und der Ölpreis nicht weiter durchzog. Solange der Gesprächsfaden nicht komplett reißt, scheinen sich die Anleger mit der fragilen Lage arrangieren zu können.

2. Der erste echte KI-Stresstest. Fast untergegangen, aber mindestens genauso wichtig: Der Abverkauf bei Samsung und dem Kospi am Dienstag zeigt, wie dünn die Luft im KI-Sektor geworden ist. Wenn ein Rekordgewinn nicht mehr reicht, um eine Aktie zu stützen, ist das ein Warnsignal für die gesamte Bewertungsstory. Interessant ist die These von Morgan Stanley, dass sich der KI-Trade von den Chipherstellern hin zu den Hyperscalern – also den großen Cloud-Betreibern – verlagert. Für DAX-Werte wie Infineon und Siemens Energy war das jedenfalls eine schmerzhafte Woche.

3. Rüstung bleibt der stille Gewinner. Während KI-Werte litten, lieferten Rheinmetall, TKMS und Co. erneut ab – befeuert durch neue NATO-Milliardenaufträge. Die Rotation innerhalb des Marktes ist in vollem Gange.

Blick auf die Bundesanleihen: Kein sicherer Hafen mehr?

Jetzt wird es spannend, denn die Reaktion am Anleihemarkt erzählt uns diese Woche mehr als der DAX selbst. Normalerweise gilt: Krise an den Aktienmärkten → Flucht in Bundesanleihen → Kurse steigen, Renditen fallen. Diese Woche passierte das Gegenteil.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe startete am Montag noch bei rund 2,92 Prozent, gestützt von zuvor gefallenen Ölpreisen. Mit der Iran-Eskalation am Mittwoch schoss sie dann auf etwa 3,1 Prozent nach oben – den höchsten Stand seit Ende Mai. Der richtungweisende Bund-Future verlor an diesem Tag über 100 Ticks auf 125,10 Punkte. Auf Wochensicht stiegen die Renditen um rund 10 Basispunkte, der kräftigste Anstieg seit fünf Wochen.

Warum das so bemerkenswert ist: Aktien UND Anleihen fielen gleichzeitig. Der Grund liegt in der Natur des Schocks. Steigende Ölpreise sind ein Inflationsschock – und die EZB hat erst im Juni die Leitzinsen zum ersten Mal seit 2023 wieder angehoben. Die Geldmärkte preisen mittlerweile mehr als 30 Basispunkte zusätzliche Straffung ein, eine weitere Zinserhöhung könnte schon im September kommen. Dazu kommt der fiskalische Faktor: Das Kabinett hat am Montag den Haushaltsentwurf 2027 mit Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro und einer Neuverschuldung von 203,6 Milliarden Euro gebilligt. Mehr Schulden bedeuten mehr Anleiheangebot – und das drückt tendenziell auf die Kurse.

Für uns Anleger heißt das: Die Bundesanleihe funktioniert in diesem Umfeld nicht als klassischer Schutzschild gegen geopolitische Risiken. Wer sein Depot absichern will, muss diese Woche als Weckruf verstehen – die alte Aktien-Anleihen-Balance greift bei einem Inflationsschock nur bedingt.

Ausblick auf KW 29: US-Inflationsdaten als Nagelprobe

Die kommende Woche hat es in sich. Der wichtigste Termin sind die US-Verbraucherpreise am Dienstag, gefolgt von den Erzeugerpreisen am Mittwoch. Warum das so entscheidend ist: Ein guter Teil der Rally der letzten Monate basiert auf der Hoffnung auf ein günstiges Zinsumfeld. Fallen die US-Preisdaten höher aus als erwartet, wackelt genau diese Grundlage – und zwar sofort. Vermögensverwalter Roland Schmack brachte es mit einem schönen Bild auf den Punkt: „Je höher der Turm, desto empfindlicher reagiert er auf Wind" – und der DAX ist aktuell ein sehr hoher Turm.

Zweiter Fixpunkt: In den USA startet die Berichtssaison zum zweiten Quartal, traditionell eröffnet von den großen Banken. Gute Zahlen könnten dem Markt neuen Halt geben, Enttäuschungen würden auf die ohnehin nervöse Stimmung treffen. Und natürlich bleibt der Iran-Newsflow der große Unsicherheitsfaktor – jede Schlagzeile kann den Markt in beide Richtungen bewegen. Die Helaba zeigt sich vorsichtig optimistisch: Nach dem Kursrutsch hat sich der Index stabilisiert, und mit dem erratischen Kurs des US-Präsidenten ist auch eine schnelle Beruhigung jederzeit möglich.

Charttechnisch sieht die Lage so aus: Nach unten ist die Zone um 25.000 Punkte die erste Verteidigungslinie, darunter warten das Wochentief bei 24.830, die Unterstützung bei 24.553 Punkten (Tief vom 26. Juni) und als Sicherheitsnetz die 200-Tage-Linie bei rund 24.313 Punkten. Nach oben ist der Weg klar gestaffelt: Zunächst muss das Freitagshoch bei 25.196 überwunden werden, dann wartet bei 25.465 Punkten die offene Kurslücke vom Dienstag – erst darüber wäre der Iran-Schock charttechnisch verdaut und das Allzeithoch bei 25.900 wieder in Reichweite.

Mein Fazit

Diese Woche war eine Lehrstunde in Sachen Demut. Drei Rekordtage in Folge, dann ein geopolitischer Schock – und schon sind über 800 Punkte weg. Aber genau das habe ich schon oft in anderen Wochenanalysen erwähnt...

Und trotzdem: Die 25.000er-Marke hat am Ende gehalten, der Markt hat sich am kurzfristigen Aufwärtstrend gefangen, und die Erholung ab Donnerstag zeigt, dass weiter Kaufinteresse vorhanden ist. Kurzfristig bleibt der DAX ein Spielball der Schlagzeilen aus dem Nahen Osten und der US-Inflationsdaten. Wer investiert ist, sollte seine Stoppkurse überprüfen und Neupositionierungen mit Bedacht wählen. Panik ist aber genauso wenig angebracht wie blinde Euphorie – die Woche hat beides bestraft.