Der Wochenrückblick: Kalter Start, heißes Finale. Was kommt als nächstes?

Der DAX kratzt nach einer starken zweiten Wochenhälfte und dem Freitags-Schlusskurs bei 24.888 Punkten massiv an der psychologischen 25.000er-Marke. Die Richtung stimmt. Aber, wie geht es nächste Woche weiter?

Der Wochenrückblick: Kalter Start, heißes Finale. Was kommt als nächstes?
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Die Woche begann im DAX extrem zäh. Am Montag und Dienstag sahen wir das typische, passive Geplänkel. Rauf um 100 Punkte, runter um 150 Punkte. Reines Rauschen im Markt, bei dem man als Anleger geduldig bleiben musste.

Ab Mittwoch wendete sich das Blatt jedoch komplett. Der Markt hat einen klaren Trend nach oben etabliert und fast jeden Tag konstant rund 0,5 % dazugewonnen. Am Freitag gab es dann die absolute Punktlandung: Der DAX verabschiedete sich mit 24.888 Punkten ins Pfingstwochenende. Dass er damit so nah an meiner Freitags-Blog-Prognose von 24.800 Punkten aus dem Handel geht, zeigt einfach, wie exakt der Markt gerade die runden Marken anvisiert. Die magische 25.000er-Marke ist jetzt zum Greifen nah. Aber wir sollten nicht mit zu viel Optimismus in die neue Handelswoche starten.

Der geopolitische Treiber: Ölpreis & das Trump-Iran-Dilemma

Warum dieser plötzliche Optimismus seit Mitte der Woche? Die Antwort liegt wie so oft aktuell beim schwarzen Gold. Der DAX und der Ölpreis stehen in einer klaren inversen Korrelation: Sinkt der Ölpreis, atmet die deutsche Wirtschaft auf, und der DAX steigt.

  • Die Gerüchteküche brodelte unter der Woche: Erste Signale über Annäherungen zwischen den USA und dem Iran ließen den Ölpreis (Brent) spürbar nachgeben.
  • Die Wochenend-News: Am Samstag sickerte durch, dass Donald Trump und der Iran die Waffenruhe verlängert haben. Trump tönte auf Social Media bereits, dass ein Deal "weitgehend ausgehandelt" sei. Der Knackpunkt bleibt das hochangereicherte Uran, das idealerweise aus dem Land (womöglich in die USA) transportiert werden soll, sowie die dauerhafte Wiedereröffnung der Straße von Hormuz.

Ob der Iran zähneknirschend zustimmt, müssen wir abwarten. Aber die nackte Aussicht auf eine diplomatische Lösung treibt den Markt an.

In einem meiner Artikel, warum der Iran die Straße von Hormus öffnen muss, erläutere ich das Thema etwas genauer. Denn der Iran MUSS das angereicherte Öl außer Landes bekommen!

Warum der Iran die Straße von Hormus öffnen MUSS: Die Logik der leeren Tanks
Alle starren auf die Politik im Iran, ich starre auf die Öltanks. Warum der Iran Ende Mai die Straße von Hormus öffnen MUSS – ob er will oder nicht.

Ausblick auf die neue Woche: Pfingstmontag im Schneckentempo?

Für Montag und Dienstag erwarte ich ein zweigeteiltes Bild:

Montag (Pfingstmontag) – "Feiertags-Modus"

Obwohl bei uns in Deutschland Pfingstmontag ist, hat die Frankfurter Börse geöffnet. Der DAX ist also handelbar. Allerdings feiert die Wall Street den Memorial Day, weshalb die US-Börsen komplett geschlossen bleiben.

Mein Fahrplan für Montag: Es wird wahrscheinlich ein extrem dünnes Handelsvolumen geben. Ohne die Liquidität und die Impulse aus Übersee passiert am Montag meistens wenig bis gar nichts. Ein zielloses Geplänkel von 50 bis 100 Punkten rauf oder runter ist das Basisszenario. Große Sprünge erwarte ich erst, wenn die Amis am Dienstag wieder mitspielen.

Aber: Wer am Freitag im Optionshandel aktiv war und den Dax gehandelt hat, dem spielt der Zeitwert (Theta) gerade am Montag gut in die Karten.

Der Rest der Woche – Weg frei nach oben?

Grundsätzlich gehe ich das erste Mal seit Februar mit einem vorsichtigen Optimismus in die Woche. Die Fundamentaldaten der DAX-Unternehmen sind nach wie vor robust, profitabel und zeigen Wachstum. Die nackte Bewertung rechtfertigt höhere Kurse, wenn der geopolitische Deckel wegfliegt.

Sollte die leichte Euphorie bezüglich des Iran-Deals anhalten und sich durch handfeste Beweise bestätigen, ist der Weg in Richtung 25.000 bis 26.000 Punkte definitiv frei.

Aber Achtung: Wir sind nach wie vor in der Gefahrenzone!

Man darf hier nicht blind euphorisch werden. Der Markt ist extrem dünnhäutig. Jede noch so kleine Verunsicherung, ein kritischer Post auf Truth Social oder ein plötzliches Stocken der Verhandlungen wird die Kurse sofort wieder um 2 % bis 3 % nach unten reißen lassen und dann stehen wir ganz schnell wieder unter der 24.000er-Marke. Die Volatilität ist nicht weg, sie schläft nur kurz.

Meine persönliche Positionierung

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich meine Short-Positionen letzte Woche erfolgreich schließen konnte. Am Freitag habe ich, um einfach mal "reinatmen" zu können und die Füße stillzuhalten, eine vorsichtige Long-Option eröffnet.

Mir war wichtig, für die neue Woche ein bisschen auf der Oberseite dabei zu sein, falls der Markt am Montag/Dienstag die 25.000er-Marke direkt attackiert. Dennoch bin ich in beide Richtungen abgesichert. Ich rechne zwar nicht direkt mit den massiven 3%-Schwankungen der letzten Wochen, da sich die Unsicherheit durch die Gespräche etwas legt, aber charttechnisch und fundamental hängen wir am Tropf der Geopolitik.

Fazit: Ich bin zuversichtlicher als sonst, bleibe aber wachsam. Wir traden das, was wir sehen, nicht das, was wir hoffen.

Euch allen einen erfolgreichen Start in die Woche!