SpaceX-Aktie (SPCX): Der Raketenstart, der zurück auf die Erde fiel

SpaceX war der größte Börsengang der Geschichte. Und trotzdem sitzt gerade fast jeder, der eingestiegen ist, im Minus. Was jetzt zählt, sind die Zahlen.

SpaceX-Aktie (SPCX): Der Raketenstart, der zurück auf die Erde fiel

Das Setup

Am 12. Juni 2026 hat SpaceX gemacht, worauf der Markt jahrelang gewartet hat. Der Börsengang. Und nicht irgendeiner, sondern der größte der Geschichte. Ausgabepreis 135 $, rund 75 Mrd. $ eingesammelt, Bewertung jenseits von 2 Billionen $. Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie bei etwa 150 $ und schloss nahe 161 $. Wenige Tage später stand sie bei 225,64 $. Fast drei Billionen Dollar Börsenwert für eine Firma, die Raketen baut. Verrückt.

Und heute? Heute steht das Ding bei rund 124 $. Das ist ein Minus von 45 Prozent vom Hoch, und die Aktie notiert sogar unter ihrem eigenen Ausgabepreis. Der teuerste Börsengang aller Zeiten hat es in wenigen Wochen geschafft, so ziemlich jeden ins Minus zu befördern, der eingestiegen ist. Ganz ehrlich: Das war für mich absehbar. Nicht der Zeitpunkt, aber die Richtung.

Die Eckdaten auf einen Blick:

  • IPO-Preis: 135 $ (12. Juni 2026)
  • Hoch nach IPO: 225,64 $ (Intraday, Woche 1)
  • Aktuell: 119,85 $ (20. Juli 2026)
  • Vom Hoch: minus 45 Prozent in gut vier Wochen

Warum die Aktie so brutal abgeschmiert ist

Die Story ist schnell erzählt, und sie ist unbequem. SpaceX ist reine Zukunftsmusik. Das Unternehmen ist faszinierend, keine Frage. Wiederverwendbare Raketen, Starlink, Starship, Mars als Fernziel. Aber eine Vision zahlt keine Dividende und rechtfertigt erst mal keinen Kurs.

Der Umsatz 2025 lag bei etwa 18,7 Mrd. $, getrieben vor allem von Starlink mit rund 11,4 Mrd. $ und über 10 Millionen Kunden. Wachstum ist da, ordentlich sogar. Nur passt das eben nicht zu einer Bewertung von deutlich über einer Billion Dollar. Und auf der Gewinnseite sieht es dünn aus: Auf Basis der veröffentlichten Zahlen weist SpaceX aktuell ein negatives Ergebnis je Aktie aus (rund minus 2,94 $ je Anteil auf Zwölfmonatssicht). Es gibt schlicht kein sinnvolles KGV, weil unterm Strich kein ausgewiesener Gewinn steht, an dem man es aufhängen könnte.

Ja, aus der Zeit als Privatunternehmen gab es Berichte über positiven Cashflow und Milliardengewinne. Kann sein. Aber als börsennotierte Firma, gemessen an dem, was jetzt in den Büchern steht, verbrennt dieser Laden erst mal massiv Kapital. Starship kostet. Der Starlink-Ausbau kostet. Die ganzen Mond- und AI-Satelliten-Fantasien kosten. Das ist ein extrem kapitalintensives Geschäft mit langen Zeithorizonten.

Alles, was von SpaceX bekannt ist und was noch kommen soll, steckt längst im Kurs. Das heißt: Jetzt muss geliefert werden.

Genau das ist der Kern. Wenn eine Aktie so hoch bewertet ist, ist die glänzende Zukunft nicht mehr die Chance, sondern die Erwartung. Sie ist eingepreist. Und eingepreiste Perfektion hat ein Problem: Sie kann nur enttäuschen oder bestätigt werden, aber positiv überraschen wird schwer. Das Chance-Risiko-Verhältnis kippt.

Die Bewertung ist der Elefant im Raum

Ein KGV können wir nicht rechnen, also nehmen wir das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen $ und einem Umsatz von 18,7 Mrd. $ zahlst du hier grob das 85-Fache des Jahresumsatzes. Zum Vergleich habe ich dir drei der wertvollsten Firmen der Welt danebengestellt.

Du siehst den Punkt sofort. Selbst Nvidia, das Sinnbild für teuer im KI-Boom, wirkt neben SpaceX geradezu solide. Und Nvidia verdient Geld, richtig viel sogar. Apple und Alphabet sind gemessen daran fast schon Value-Aktien. Ich sage nicht, dass SpaceX das nie wert sein wird. Ich sage, dass du beim aktuellen Preis eine Menge Zukunft bezahlst, die noch niemand geliefert hat.

Die Analysten? Ein einziges Kuddelmuddel

Wenn du wissen willst, wie unsicher eine Aktie ist, dann schau dir die Kursziele an. Bei SpaceX reicht die Spanne von 62 $ am unteren bis 800 $ am oberen Ende. Morgan Stanley ruft 300 $ auf, der Schnitt liegt bei rund 240 $. Das ist keine Analyse, das ist Kaffeesatz mit Excel.

Übersetzt heißt das: Niemand hat einen blassen Schimmer. Die Bandbreite ist so gigantisch, weil das ganze Modell an Annahmen hängt, die weit in der Zukunft liegen. Und Cathie Wood hat übrigens für rund 51 Mio. $ zugegriffen. Schön für sie. Für dich und mich ist das kein Argument, sondern ein Datenpunkt.

Wer gerade wirklich blutet

Jetzt wird es konkret, und zwar für die Leute, die euphorisch reingesprungen sind. Es gibt eine Menge Privatanleger, die kurz nach dem IPO gekauft haben und heute tief im Minus stehen. Und die, die über den Privatmarkt schon vor dem Börsengang dabei waren? Die stehen genauso im Verlust. Egal, an welcher Stelle du eingestiegen bist, du bist mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Wasser.

Das ist genau der Grund, warum ich immer predige: nicht euphorisch handeln. Ein spektakulärer Börsengang ist ein Medienereignis, kein Einstiegssignal. Wer beim Hype die Hand hebt, kauft fast immer zu teuer. Und der Hype war hier gigantisch.

Im August wird geliefert

Und jetzt kommt der spannende Teil. Anfang August, voraussichtlich um den 4. bis 6. herum, präsentiert SpaceX zum ersten Mal als börsennotierte Firma seine Quartalszahlen. Das ist der erste echte Realitätscheck. Bis dahin ist alles Erwartung, danach gibt es Fakten.

Dann sehen wir, wie die Zahlen aussehen, und die Aktie wird sich danach vermutlich in eine klare Richtung bewegen. Nur: In welche, das weiß niemand. Liefert SpaceX starke Starlink-Zahlen und einen glaubwürdigen Weg zur Profitabilität, kann es schnell wieder nach oben gehen. Enttäuschen die Zahlen, sitzt die hohe Bewertung wie ein Mühlstein am Bein.

Ein zweiter Punkt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Ab August laufen die ersten Lock-up-Fristen aus. Das heißt, frühe Investoren und Mitarbeiter dürfen dann verkaufen. Wenn eine ganze Welle neuer Verkäufer auf einen ohnehin nervösen Markt trifft, kann das zusätzlichen Druck erzeugen. Das ist der eigentliche Stresstest, nicht der IPO-Tag.

Mein Fazit: Ruhe bewahren

Ich finde das Unternehmen und die Vision extrem spannend. Ehrlich. SpaceX macht Dinge, die vor zehn Jahren nach Science-Fiction klangen. Aber Faszination ist keine Anlagestrategie.

Für mich ist die Aktie beim jetzigen Preis schlicht zu teuer und passt nicht zu meiner Strategie. Das Tail-Risk ist mir einfach zu hoch. Eine Firma, die noch keinen ausgewiesenen Gewinn liefert, deren Bewertung komplett auf Zukunftserwartungen ruht und deren Analystenspanne von 62 bis 800 Dollar reicht, kann in beide Richtungen brutal ausschlagen. Damit will ich meinen Depotanteil nicht bezahlen.

Wenn ich hier irgendwann einsteige, dann garantiert nicht auf einen Schlag, sondern in Stückelungen. Kleine Tranchen, über die Zeit verteilt, damit ich nicht mein ganzes Pulver in eine einzige Kerze schieße. Aber der Zeitpunkt für die erste Tranche ist für mich noch nicht da.

Mein Rat: Ruhe bewahren. Anschauen. Und erst dann einsteigen, wenn es eine klare Richtung gibt. Oder eben auch nicht.

Warte die Zahlen ab. Lass die August-Woche kommen, schau, was SpaceX wirklich liefert, und wie der Markt auf die auslaufenden Lock-ups reagiert. Bis dahin ist das hier kein Investment, sondern eine Wette. Und Wetten überlasse ich anderen.

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Das hier ist meine persönliche Meinung und dient der Information und Unterhaltung. Es ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Kurse und Kennzahlen sind Stand 20. Juli 2026 und können sich jederzeit ändern. Ich kann selbst Positionen halten oder aufbauen. Wertpapiere, besonders frisch gelistete und hoch bewertete, können stark schwanken und im Extremfall einen Totalverlust bedeuten. Triff deine Entscheidungen selbst und auf eigenes Risiko.