DAX-Wochenrückblick KW 34: Vier rote Tage – und der Anleihemarkt ist schuld
Letzte Woche hat der DAX noch gefeiert. Die Quartalszahlen kamen rein, sie waren gut, der Index lief bis auf ein neues Rekordhoch bei 26.573 Punkten.
Montag bis Donnerstag: vier Verlusttage in Folge. Keiner davon dramatisch, aber die Richtung war jeden Tag dieselbe. Am Donnerstag ging der DAX bei 25.972 Punkten aus dem Xetra-Handel – erstmals seit Anfang August wieder unter der 26.000er-Marke. Zeitweise lag die Woche mit rund 2 % im Minus, am Freitagvormittag stand ein Wochenminus von etwa 1,4 bis 1,5 % auf der Uhr.
Der Grund ist simpel: Die Zahlensaison ist durch. Und was jetzt kommt, ist kein Rückenwind mehr.

Der eigentliche Treiber sitzt in den USA
Wer diese Woche nur auf den DAX geschaut hat, hat die Story verpasst. Sie spielt am amerikanischen Anleihemarkt.
Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe ist auf über 5,3 % gestiegen – höchster Stand seit Juni 2007. Das ist die entscheidende Zahl dieser Woche.
Warum das wehtut:
- Der Staat zahlt für 30 Jahre Geld über 5 % Zinsen. Risikofrei.
- Jede Aktienbewertung wird gegen diesen Zins gerechnet. Steigt er, sinkt der faire Wert.
- Am Mittwoch gab es kurz Entlastung durch Rückkäufe des Finanzministeriums. Am Donnerstag war der Effekt schon wieder verpufft.

Die Wall Street hat entsprechend geliefert: Der Dow Jones verlor am Donnerstag 704 Punkte oder 1,32 %. Und wenn drüben verkauft wird, kann der DAX sich nicht dagegenstemmen.
Dazu kommt der Kontext: Die US-Staatsverschuldung hat am 18. August die Marke von 40 Billionen Dollar gerissen. Der Markt verlangt für dieses Risiko schlicht mehr Zins. Auch bei uns übrigens – die Bund-Renditen liegen auf dem höchsten Stand seit 2011.
Öl und Iran: das zweite Fass
Am Montag ist die 60-Tage-Frist zwischen Washington und Teheran ausgelaufen. Ohne Anschlussvereinbarung. Trump hat kein Interesse an einer Verlängerung signalisiert.
Die Straße von Hormus ist faktisch dicht. Statt über 130 Passagen am Tag vor Kriegsbeginn zählt Kpler aktuell zwei bis drei Schiffe pro Tag. Dazu wurde diese Woche erneut ein Handelsschiff beim Auslaufen getroffen.
Ergebnis: Brent notiert bei rund 93 Dollar je Barrel, ein Plus von über 5 % allein in dieser Woche.

Und damit schließt sich der Kreis zum Anleihemarkt. Höherer Ölpreis heißt höhere Inflationserwartung, heißt Verkaufsdruck bei den langen Laufzeiten, heißt steigende Renditen, heißt Druck auf Aktien. Das ist keine zufällige Häufung schlechter Nachrichten – das ist eine Kette.
Freitag: erst mal durchatmen
Am Freitag hat sich der DAX stabilisiert. Über Nacht kamen freundlichere Vorgaben, im Vormittagshandel ging es rund 0,3 % nach oben auf etwa 26.060 Punkte. Die 26.000er-Marke wurde zurückerobert, die 21-Tage-Linie hat gehalten.
Für mich ist das eine technische Gegenbewegung, kein Trendwechsel. Der RSI(5) war im überverkauften Bereich, da kommt so ein Tag fast von allein. Solange der DAX unter dem 10er-EMA bei rund 26.130 Punkten notiert, bleibt die Grundtendenz schwach.
Vom Allzeithoch sind wir jetzt gut 500 Punkte entfernt. Das ist eine ganz normale Korrektur, keine Krise.
Nächste Woche wird es ernst
Die kommende Woche hat es in sich – und zwar richtig:
- Mittwoch, 26. August: NVIDIA legt Zahlen vor. Der wichtigste Einzeltermin des Quartals für die gesamte KI-Story.
- Donnerstag bis Samstag, 27.–29. August: Jackson Hole. Freitagvormittag spricht Kevin Warsh – seine erste Keynote als Fed-Chef.
- Freitag, 28. August: die PCE-Daten für Juli, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed.
- 16. September: die nächste FOMC-Entscheidung inklusive neuem Dot Plot.
Und hier wird es interessant: Nach der Juli-Sitzung mit drei Gegenstimmen signalisiert der Dot Plot erstmals wieder eine mögliche Zinserhöhung statt einer Senkung. Wer noch auf sinkende Zinsen als Kurstreiber hofft, sollte diese Annahme überprüfen.
Im Iran-Konflikt gibt es weiterhin keine Lösung. Solange Hormus zu ist, bleibt der Ölpreis das Damoklesschwert über allem.
Mein Fazit
Der DAX hat diese Woche nicht verloren, weil die Unternehmen schlecht sind. Er hat verloren, weil ihm die Impulse ausgegangen sind – und weil der Zins am langen Ende die Bewertung von der anderen Seite angreift.